Orkan „Kyrill“

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Der Umweltbeauftragte der Stadt Grebenau, Forstamtsrat Arno Eifert informiert:
Orkan „Kyrill“ – Vorbote des Klimawandels?

Ein Winter, der keiner ist, ein schwerer Sturm und Gewitter gleich zu Jahresbeginn. Ist das der Klimawandel? Stecken wir schon mittendrin? Ja, es sieht tatsächlich danach aus. Die Wissenschaft ist sich einig, dass sich das Klima ändert und dass die Änderungen zu einem großen Teil vom Menschen verursacht sind. Wir produzieren immer mehr Kohlenstoffdioxid und weitere Treibhausgase. Dennoch sollten wir uns vergegenwärtigen, dass das, was wir täglich erleben, das Wetter ist und nicht das Klima. Klima ist im Wesentlichen Statistik, die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Wetterlage. Das Wetter selbst ist aber nur extrem schwer vorherzusagen. Mittlerweile schaffen die Meteorologen eine zuverlässige Vorhersage von ein paar Tagen, aber auch für die Zukunft halten sie eine Prognose für mehr als ein oder zwei Wochen für unrealistisch.

Das Klima lässt sich dagegen recht gut vorhersagen, weil es eben die langfristige Situation beschreibt.

Lässt sich also sagen, es wird künftig häufiger ungewöhnliche Wetterereignisse geben?

Auf das Wetter übertragen heißt das, dass die globale Durchschnittstemperatur ansteigt, dass die Häufigkeit von extremen Wetterereignissen wie starkem Niederschlag oder Trockenheit zunimmt und dass sich die Verteilung von Niederschlägen verändert. Wir werden aber nicht nur noch Platzregen und ansonsten Dürre erleben und wir werden auch nicht jedes Jahr den gleichen kontinuierlichen Anstieg der Temperatur erleben. Die Klimamodelle machen keine Wettervorhersage. Und auch im Jahr 2030 könnte es weiße Weihnachten geben, nur ist die Wahrscheinlichkeit dafür noch geringer als heute schon.

Der bislang so milde Winter 2006/07 passt also genau in das Bild. Vielleicht wird es auch noch einmal richtig kalt. Allerdings halten Meteorologen dies für immer unwahrscheinlicher. Auch die befürchtete Zunahme von Wetterextremen scheint einzutreten, wie nicht zuletzt das Orkantief Kyrill mit aller Deutlichkeit unterstrichen hat. Das Wetter in den vergangenen Jahren, eine Jahrhundertflut gefolgt von ungewöhnlicher Trockenheit, Rekorde am unteren wie am oberen Ende der Pegelstände – all das sind genau die Indizien, die zu den Klimaprojektionen für das 21. Jahrhundert passen.

Was bedeutet der Klimawandel für die Ökosysteme, die uns umgeben? Ist die biologische Vielfalt davon bedroht?

320StrolchFür die Natur ist das größte Problem, dass das zeitliche und räumliche Zusammenspiel in Ökosystemen nicht mehr funktioniert. Arten verlagern ihre Verbreitungsgebiete nach Norden oder in höhere Lagen, weil ihre angestammten Temperaturzonen sich verlagern. Das setzt allerdings voraus, dass in diesen neuen Gebieten auch sonst geeignete Lebensbedingungen herrschen. Und in einer so intensiv genutzten Landschaft wie in Mitteleuropa stehen die Chancen dafür nicht allzu gut. Viele Arten sind auf Schutzgebiete angewiesen, die ja nicht einfach mit nach Norden wandern.

Auch zeitliche Veränderungen sind bereits deutlich sichtbar: Erle und Hasel haben schon im Dezember ausgetrieben und Forsythie und spanische Kirsche stehen bereits in voller Blüte. Sollte es jetzt aber noch einmal wirklich kalt werden, sind die Pflanzen nicht gegen den Frost geschützt und die Samenbildung und Vermehrung ist für dieses Jahr stark bedroht. Denn die Ruhestadien, sei es in Knospen, Knollen oder Zwiebeln bei den Pflanzen oder Winterschlaf und Winterruhe bei den Tieren, dienen dazu, eine unwirtliche Zeit zu überdauern. In diesem Winter fehlte der frühe Frost, der diese Mechanismen in Gang setzt. Allerdings sind auch andere Taktgeber wie die Tageslänge wichtig, und daran ändert auch der Klimawandel nichts.

Welche Folgen hat das für unsere Natur?

Kritisch wird es dann, wenn die Arten, die in einem Ökosystem auf einander angewiesen sind, unterschiedlich auf die Klimaveränderungen reagieren: Beim Trauerschnäpper, einer Singvogelart, die in Afrika überwintert und unter anderem in Deutschland und in den Niederlanden brütet, sind einige Populationen um 90 Prozent zurückgegangen, weil Insektenlarven – das wichtigste Futter für die Küken – bereits wieder verschwunden waren, als die Jungvögel geschlüpft waren. Insekten, oder allgemein kleine und wechselwarme Tiere können nämlich wesentlich schneller auf Änderungen reagieren und sich entsprechend schneller entwickeln. Die Vögel haben ihren Brutbeginn dagegen nur wenig nach vorn verlegt, so dass sie andere Futterquellen erschließen oder hungern müssen.
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Ein Vater und seine beiden Söhne aus Grebenau konnten wie durch eine Wunder unverletzt aus diesem Fahrzeugwrack geborgen werden.


Dies sei nur ein Beispiel, um zu zeigen, wie komplex die unterschiedlichen Teile eines Ökosystems zusammenhängen und wie fein dieses Gefüge sich über evolutionäre Zeitspannen hinweg eingespielt hat. Der Klimawandel scheint sich so schnell zu vollziehen, dass die Natur große Probleme bekommen könnte, sich daran anzupassen. Auch wenn einzelne Arten flexibel genug sein könnten und vielleicht sogar kurzfristig von den Änderungen profitieren, werden alle Arten unterschiedlich schnell und stark reagieren, so dass Veränderungen im räumlichen und zeitlichen Zusammenhang unvermeidbar sind. Und niemand kann sagen, was das konkret für die Natur bedeuten wird und wie groß die Anpassungsfähigkeit ist.

Wenn Tiere und Pflanzen sich jetzt schon wie im Frühjahr verhalten, ist das nicht grundsätzlich ein Problem. Eine längere Vegetationsperiode oder früheres Brutgeschäft müssen nicht schlecht sein. Und solange kein Frost herrscht, scheinen die Tiere auch genügend Nahrung zu finden. Nur auf einen plötzlichen Kälteeinbruch wäre dann kaum ein Organismus vorbereitet. Kritisch werden vor allem die langfristigen Veränderungen und Auswirkungen zu beobachten sein.
Welche Auswirkungen hat der Orkan „Kyrill“ auf unsere Heimatlandschaft?
Der Orkan machte viel Wirbel und hinterließ auch im Gründchen deutliche Spuren!

„Kyrill“, der Sturm blies furchterregend heftig (mit Windgeschwindigkeiten über 150 km/h). Bäume knickten um, Dächer wurden abgedeckt und alle Straßen die durch den Wald ins Gründchen führen, mussten für ein, zwei Tage voll gesperrt werden.

Der Orkan hat mit seinen verheerenden Auswirkungen die Waldlandschaft des Gründchens deutlich verändert. Mehrere 10.000 Festmeter Sturmholz liegen in den Revieren Grebenau und Schwarz am Boden. Noch immer sind nicht alle Waldwege passierbar, Bäume hängen und liegen kreuz und quer im Wald umher. Dies bedeutet nach wie vor eine erhebliche Gefahrenquelle für alle Waldbesucher. Bitte begeben Sie sich nicht unnötig in Gefahr und bleiben den Wäldern und Forstorten in denen Baumfäll- und Aufräumungsarbeiten stattfinden fern.
Wir danken für Ihr Verständnis und hoffen auf weniger stürmische Zeiten!

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