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Per Mausklick in die Vergangenheit – Bürgermeister Jürgen Ackermann präsentiert erstes Gründchen E-Book Ein Porträt von Roland Heinrich
Flink gleiten die Hände über die funkgesteuerte Logitech-Tastatur, der 19-Zoll-LCD- Bildschirm macht die Zeichen in Echtzeit sichtbar, eine jpeg-Grafik wird mit Textfluss eingebettet: Ich befinde mich nicht etwa in der Lokalredaktion der OZ, sondern am Arbeitsplatz eines Bürgermeisters: Jürgen Ackermann hat mich eingeladen, die Entstehung des ersten E-Books über das Gründchen mit zu beobachten.
Der 53-Jährige Rathauschef ist unseren Lesern auch als Kreispolitiker bekannt, seit 16 Jahren steht er an der Spitze des Magistrats in der knapp 3.000 Seelen-Gemeinde im östlichen Vogelsberg. Ein E-Book, so frage ich, ist doch eine ungewöhnliche Präsentation der „Heimatgeschichte“. „Es hat mit meiner beruflichen Vergangenheit zu tun, vor meiner Tätigkeit als Bürgermeister was ich stellv. Leiter eines Rechnungsprüfungsamtes in Gießen und hatte vorher als Fachprüfer für Softwareanwendungen eine Ausbildung als Programmierer zu absolvieren.“ Außerdem, so fügt er scherzhaft an, könne er jederzeit eine Sekretärin alter Schule ersetzen, Stenografie und hohe Schreibmaschinenanschläge seien ihm heute noch geläufig. Das mit dem Steno ist „Schnee von gestern“, aber dass Ackermann ein gutes Rüstzeug für seine Autorentätigkeit mitbringt, merkt man bei einem Rundblick auf seinen Arbeitsplatz. Der Umgang mit Scanner, Printer und Internet kommt so selbstverständlich daher, dass man einen Augenblick vergisst, im Rathaus zu sitzen. Die Idee zu seinem elektronischen Rückblick sei ihm während einer Urlaubsreise gekommen. „Man müsste, so der Gedanke, schnell Zugriff auf Ereignisse haben können, ohne große Akten- und Zeitungsberge zu wälzen“. Also ging er daran, eine Jahresbezogene Aufarbeitung der Gründchengeschichte(n) vorzunehmen.
Von Januar 1991 bis Dezember 2006 werde alles in Bildschirmlesbarer Form dargestellt, was sich aus seiner Sicht wesentliches in seinem Heimatstädtchen ereignet habe. Dabei greift Ackermann größtenteils auf Artikel der OZ, aber auch Veröffentlichungen im Gründchen-Bote sowie eigenem Material zurück. Auch die „dunklen Jahre“ Grebenaus, Parteienstreit, Abwahl des Rathauschefs, Disziplinarverfahren, Strafanzeigen, Wahlkampf und Rechtsstreitigkeiten, all das finde man wieder. „Man kann ganz leicht per Mausklick in die Vergangenheit gehen.“ Herausgekommen sind bisher 450 Seiten mit je zwei Themen, bis Silvester werden es wohl 500 Seiten sein. Nahezu 1000 Ereignisse und Themen präsentieren sich dem Leser, eine wohl monumentale Informationsshow, die erst einmal verkraftet werden muss.
Allein die Speicherung der Datei benötigt, auf ein plattformübergreifendes Format archiviert, 200 Megabyte (MB) an Kapazität, die handelsüblichen Daten-CDs sind damit bereits zu einem Drittel ausgefüllt. Hinzu komme noch ergänzendes Material, beispielsweise Info-Magazine, Stadtpläne oder Wahlkampfzettel der Parteien. Seine frühere Tätigkeit als Dozent für Staats- und Sozialrecht an der Fachhochschule Gießen holt den Autor wieder ein: „Das authentische Flugblattmaterial kann hervorragend für politische Seminare verwendet werden.“
Schwerpunkt seiner Replik ist aber nicht die Politik, wenngleich der Rückblick in die Gründchenzeitgeschichte davon nicht verschont bleibt. Vereine, Kirchen, Institutionen, eine breit angelegte Information über den langen Zeitraum sei möglich. Schnelle Suchroutinen bringen einen das gewünschte Thema auf den Bildschirm: Stichwort „Konfirmation“, und schon erscheinen 55 Einträge, die man auch nach Namen, Orten und Zeitabläufen sortieren kann.
„Wer beispielsweise wissen will, was in Udenhausen, Grebenau oder Schwarz passiert ist, muss nur den Ortsnamen eingeben. Für „Schwarz“ werden 344 Treffer anzeigt.
Hilfe erhält Ackermann auch von einem weiteren Udenhäuser Bürger, Heinz-Wilhelm Becker, der Internetredakteur der Stadt Grebenau, hat seine ehrenamtliche Mitarbeit angeboten. So wird die CD einen Autostart haben, ein ansprechendes Layout und recht preiswert vertrieben werden: „5 Euro müssen auf den Tisch des Hauses.
Die Einnahmen sollen im übrigen, so macht der Bürgermeister im Gespräch mir klar, im Gründchen bleiben und den Fördervereinen zugute kommen:
Schule, Kindergarten, Bieben, Schwarz, Weihnachtsmarkt, sie alle werden im nächsten Jahr, so hofft Ackermann, kleine Spenden aus dem Verkauf erhalten.
Präsentieren will der Autor die CD, die dann in dreijähriger Arbeit abgeschlossen ist, zusammen mit Heinz-Wilhelm Becker bei einem der beliebtesten Neujahrsempfänge im Kreis, dem so genannten Gründchen-Frühstück.
„Viele der dort anwesenden Gäste finden sich auch in dem Rückblick wieder. Bis dahin sei allerdings noch viel zu tun: Zwischen Jahresende, dem redaktionellen Schluss des Rückblicks, und der Präsentation am 5. Januar 2007 bleibe nicht viel Zeit: „Dann werden an einigen Personalcomputern die DVD- Brenner glühen.“
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