Geschichte des Jagdschirmes

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Abhandlung zur Renovierung und Geschichte des Jagdschirmes im Schwarzenbachsgrund bei Grebenau (von Horst Eckstein)
Seit 1961 kenne ich den Jagdschirm (Jägerhäuschen) noch unter dichten Baumkronen der Ludwigsbuchen und der Tafeleiche stehend.
Außen herum war das Häuschen mit Kalkmörtel verputzt, innen ebenso mit einem Lehm-Kalkgemisch und mit Kalkmilch gestrichen. Diese Farbe färbte intensiv ab und verschmutzte oft die Kleidung beim Aufenthalt im Inneren. Auf der linken Seite des Kamins waren noch die Steigeisen an der Wand angebracht, um auf den Dachboden zu gelangen.
Im Jahre 1976 wurde der abbröckelnde Außenputz von Malermeister Gg. Schmidt, Grebenau, ausgebessert und mit einer grünlichen Fassadenfarbe gestrichen. Leider stellte sich sehr bald heraus, dass diese moderne Farbe nicht atmungsaktiv war und der Putz durch aufsteigende Feuchtigkeit Blasen bildete und wieder plätzeweise abfiel.
Innen wurden die Wände ebenso mit derzeit gängigen Farben gestrichen, die dann auch nicht mehr abfärbten. Die Sprüche auf den Wänden und das Kreuz an der Decke wurden erneuert. Die vermorschte Eingangstür wurde durch eine Neue ersetzt, die dann auch zweigeteilt angefertigt wurde. Da keine Sitzgelegenheiten vorhanden waren, fertigten die Waldarbeiter W. Stefan und S. Grün, rustikale Bänke und Tische aus Eiche an. Es waren massive, aufgetrennte Halbrundstücke, die sich in ihrer Form der Rundung des Häuschens anpassten.
Etwa 1982 wurden die morschen Ziegeln (Bieberschwänze) durch Dachdecker Funk aus Alsfeld für ca. 4.000 DM ersetzt und ebenso das Lattengerüst, das zur Auflage der Ziegeln diente. Bei dieser Arbeit wurde durch unvorsichtiges Hantieren der dünne Deckenboden an der rechten Seite des Eingangs durchgetreten. Er wurde später notdürftig mit dem Stück einer Gipskartonplatte ausgebessert.
Im Frühjahr 1990 bei den Orkanstürmen "Vivien" und "Wiebke" wurden fast alle alten Fichten in der Nähe des Jagdschirmes geworfen. Dabei fiel auch eine stärkere Fichte auf die rechte Seite des Daches und brach Teile des Kamins ab. Nach Entfernen der Fichte wurde die beschädigte Stelle und der Kamin mit Plastikplanen gegen Niederschläge geschützt. Der Schaden am gesamten Dach war relativ gering.
Im Herbst 1991 wurden zur gründlichen Renovierung des Jagdschirmes ca. 10.000 DM zur Verfügung gestellt.360Skizze
Unter Mithilfe aller Waldarbeiter und des Privatjägers A. Becker aus Wallersdorf wurde zuerst das gesamte Mauerwerk ca. 80 cm tief in Teilabschnitte von etwa 2 m Länge aufgegraben und mit Beton unterfangen. Gegen die aufsteigende Feuchtigkeit wurde zusätzlich ein Dränagerrohr von 10 cm ø in Splitt unter den Beton verlegt. Durch eine längere Regenperiode, die die Arbeiten unterbrach und den Boden aufweichte, stürzte das Mauerwerk teilweise ein und musste wieder aufgemauert werden.
Der lockere Außenputz wurde entfernt und das Mauerwerk mit Zementmörtel berappt. Beim Freilegen des Mauerwerkes zeigte sich, dass wenig behauene Steine verwendet wurden, sondern besonders auch im Inneren der Mauer, kleinere und größere "Lesesteine" benutzt wurden. Das gesamte Mauerwerk wurde wahrscheinlich unter Verwendung von Kalkspeis und teilweise Lehm, hergestellt. Das Gebälk im Dachbereich wurde saniert, indem zu stark vermorschte Hölzer ausgewechselt wurden. Der beschädigte Kamin wurde wieder aufgemauert und mit einem Abdeckblech versehen. Die Zwischendecke, die stark gerissen war, wurde entfernt und das sternförmige Gebälk mit eingefassten rauhen Brettern ausgefüllt. Der Innenputz wurde fast ganz abgeschlagen und Risse ausgefugt und sodann wieder verputzt. Die Wände sind mit Mineralfarbe auf Kalkbasis gestrichen worden, die Holzteile mit Ölfarbe, und die Decke mit einer braunen Holzdekorfarbe.
Im Sommer 1994 wurden weitere 5.000 DM bewilligt, um den Fußboden herzurichten. Das alte vermorschte Eichenholzpflaster im hinteren und die Bretterdielen im vorderen Bereich wurden entfernt, ebenso der Schacht mit Metalldeckel. Auf Vorschlag von Otto Meckbach, Grebenau, wurde der Fußboden mit Splitt und Sand ausgeglichen und mit ungleich großen Sandsteinplatten in Kalkspeis ausgelegt. Diese Platten wurden am Wallersdorfer Pfad in Abt. 21 nahe der Schlitzer Grenze (alte Heerstraße) in größeren Mengen vorgefunden (Stielersrod?). Somit dürfte auf Jahre hinaus der Jagdschirm wieder Bestand haben.
Zur Geschichte des Jagdschirmes ist noch einiges anzumerken:
Der Jagdschirm in der Schwarzenbach wird im Buch "Jagd und Jagdhäuser in Hessen-Darmstadt" von Gisela Seibert auf Seite 73 erwähnt.
Er wird als steinernes, achteckiges und mit einem Kamin versehenen Jagdhaus beschrieben. Das Häuschen steht auf einer kleinen Anhöhe direkt am Waldrand der Abt. 31 C zur Wiese hin. (Grenzstein in unmittelbarer Nähe).
Erbaut wurde der Jagdschirm wahrscheinlich in den Jahren 1720 - 1730 unter der Regentschaft des Landgrafen Ernst Ludwig (1688 - 1739), der in dieser Zeit in Oberhessen auch unter anderem das Jagdlager im Jägertal erbauen ließ.
Vom Jagdschirm aus gingen gerade Schneisen sternförmig in nördliche, östliche und südliche Richtung (s. Skizze). Diese Schneisen wurden sicher zum Anpirschen und Verhören der Auerhähne benutzt. Oberförster Dr. Walther beschreibt in seinem Bericht "Auergeflügel in Oberhessen", dass die ältesten Balzrapporte immer wieder die Distrikte Buxbaumsrück, Schwarzenbachsgraben und Hopfenstück als Balzbezirke nennen.
Im gleichen Bericht wird erwähnt, dass im Jahre 1858 der seit den Landgrafen Ernst-Ludwig und Ludwig VIII in Vergessenheit geratene Jagdschirm durch die Prinzen Ludwig und Heinrich wieder eingeweiht wurde. Dazu passt der Spruch, der auf einem Holzschild den Jagdschirm zierte, wiedergegeben von Schreinermeister Gg. Röhrig aus Grebenau.
Er lautet wie folgt:
Der Schwarzenbachschirm tut sich heut freuen, denn es kehren bei ihm ein, Landgraf Ludwig*) und Prinz Heinrich von Hessen, seit dem dieses Haus war bei 100 Jahr vergessen.
So lange war dieses Haus verwaist, drum sei der heut´ge Tag gepreist, da dieses Haus wieder zu Ehren ist gekommen. Dies soll ihm auch immer mehr genommen.
Wahrscheinlich hatten die Landgrafen in der Zeit von 1750 - 1850 andere Sorgen gehabt, als dass sie der Jagd frönen konnten.
Landgraf Ernst Ludwig hinterlässt bei seinem Tod seinem Nachfolger Ludwig VIII einen Schuldenberg von 6 Mio. Gulden. Dann folgten der 7-jährige Krieg 1756, die ersten Auswanderungswellen 1751/1753, die Zeit der Aufklärung und schließlich der Revolutionsjahre bis etwa 1850.
Die Jagdherren blieben aus und die jagdlichen Einrichtungen verfielen. Dies konnte auch am Schwarzbachschirm festgestellt werden. Links und rechts der Eingangstür war das Mauerwerk sicher eingefallen, denn die Mauer zeigte hier eine andere Baustruktur und schließt mit dem runden führenden Grundbalken des Daches bündig ab.
Einem gleichen Schicksal fiel das hölzerne Jagdhaus an der Hügelbug zum Opfer und wurde 1835 für 22 Gulden auf Abbruch an den Udenhäuser Unterförster Kalbfleisch verkauft.
Auerhahnsteine zur Erinnerung an Abschüsse der herrschaftlichen Jagdgäste, gilt es im Grebenauer Forst nicht. Dafür wird ein Landgrafenstock im Forstort Buxbaumsrück gewähnt. Wahrscheinlich ein Holzpflock mit einer Bidltafel und Inschrift. Hier soll Landgraf Ludwig VIII einen Auerhahn auf einer besonders hohen Eiche erlegt haben.
Zu beiden Seiten des Jagdhäuschens stehen alte Eichen und Buchen, die nur noch z. T. lebensfähig sind. Es sind dies die Tafeleichen und die Ludwigsbuchen, die auch als Naturdenkmale ausgewiesen sind.
*) Großherzog Ludwig III und Sohn Heinrich600Karte

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